8.5 KiB
ARC-10 — Signatur- und Zeitstempelerhalt (BSI TR-03125): Prüfprotokoll
Datum: 2026-09-03
Host: 192.168.1.131 (Build/Test/Lint), rsync + ssh
Paket: mail/internal/sigcheck (neu)
Neue Abhängigkeit: go.mozilla.org/pkcs7 v0.10.0 (go get + go mod tidy, go.mod-Direktive go 1.24 unverändert)
Umsetzung
Erkennung (Akzeptanzkriterium 1): sigcheck.Detect(raw) prüft
NUR den Content-Type-Header (billig, keine Kryptographie) und
unterscheidet drei Fälle: S/MIME opaque
(application/pkcs7-mime; smime-type=signed-data), S/MIME cleartext
(multipart/signed; protocol=application/pkcs7-signature) und
PGP/MIME (multipart/signed; protocol=application/pgp-signature).
Unsignierte Nachrichten liefern detected=false und durchlaufen keine
weitere Prüfung.
Kryptographische Prüfung (Akzeptanzkriterium 2): sigcheck. Verify(raw, kind, now) — für S/MIME echte PKCS7-Signaturprüfung
(go.mozilla.org/pkcs7, Parse + Verify: Inhaltsintegrität und
Signatur gegen das eingebettete Zertifikat, kein externer
Vertrauensanker nötig — passend für ein KMU-Mailarchiv ohne
qualifiziertes elektronisches Archiv nach eIDAS) plus einer
zusätzlichen, expliziten Gültigkeitsfensterprüfung des
Signaturzertifikats gegen den ÜBERGEBENEN Prüfzeitpunkt now (nicht
gegen die reale Systemzeit — Grundlage für Pflichtprüfung 3). Ergebnis
ist einer von drei Zuständen: gueltig, ungueltig,
pruefung_nicht_moeglich. PGP/MIME wird erkannt, aber bewusst NICHT
kryptographisch geprüft (Scope-Grenze, siehe unten) — liefert immer
pruefung_nicht_moeglich mit erklärendem Reason, kein stiller
Fallback.
Erhalt der Rohdaten: Die Archivierung (ARC-01/04) legt die
RFC822-Rohbytes bereits unverändert ab (storage.ArchiveKey, keine
Re-Serialisierung). sigcheck fügt dem NICHTS hinzu, das die
Originalbytes verändert — der Prüfnachweis wird als eigenständiges
Sidecar-Objekt (SidecarKey, archiveKey + ".sigcheck.json")
abgelegt, exakt dieselbe Konvention wie ARC-01s
Prüfsummen-Sidecar-Objekt. SaveResult/LoadResult schreiben/lesen
dieses Sidecar über eine schmale Store-Schnittstelle
(Put/GetVerified), strukturell erfüllt von *storage.Service ohne
Paketkopplung.
Zertifikatsdaten im Prüfnachweis (Akzeptanzkriterium 2, wörtlich
"Ergebnis, Zertifikatsdaten, Prüfzeitpunkt"): Result enthält
SignerSubject, CertNotBefore, CertNotAfter, CheckedAt,
Reason.
Abweichung von der Ausgangslage: Ablage als Sidecar statt im Core-Audit-Log
Das Ticket sieht vor, den Prüfnachweis im zentralen, unveränderlichen
Core-Audit-Log (AUD-01/AUD-02) abzulegen ("kein zweites
Protokoll"). AUD-01 existiert nur als eigener Branch auf dem
Core-Board (feature/aud-01-zentrales-audit-log-modell), ist von
diesem Mail-Board-Ticket aus nicht ansprechbar — gleiche Situation wie
ARC-06/Core TEN-01: dieses Ticket implementiert stattdessen ein
eigenständiges, unveränderliches Sidecar-Objekt im
Objektspeicher (gleiche Unveränderlichkeitsgarantie wie ARC-01s
Prüfsummen-Sidecar). Sobald AUD-01/AUD-02 in diesem Repository real
integrierbar ist, kann der Prüfnachweis zusätzlich oder stattdessen
dorthin gespiegelt werden — als offener Punkt vermerkt, kein Neubau
eines zweiten Protokolls in der Zwischenzeit.
Bewusste Scope-Grenzen (bei Ticketübernahme mit Nutzer abgestimmt)
- PGP/MIME: nur Erkennung, keine kryptographische Prüfung —
pruefung_nicht_moeglichist einer der von Akzeptanzkriterium 2 ausdrücklich vorgesehenen drei Ergebniszustände, kein Implementierungsdefizit. Folgeticket bei Bedarf. - Kein ArchiSig-artiges Langzeitarchivierungsverfahren mit periodischer Hashwert-/Zeitstempel-Erneuerung: für ein "Einfach"-Ticket und ein KMU-Mailarchiv ohne qualifiziertes elektronisches Archiv nach eIDAS unverhältnismäßig. Ein einmaliger, bei Archivierung erzeugter Prüfnachweis (dieses Ticket) reicht aus. Eigenes Folgeticket, falls künftig benötigt.
- RFC-3161-Zeitstempel-Token: keine gesonderten TSA-Token in den
Testfixturen verwendet (kein RFC-3161-Client im Baukasten
vorhanden) — die Zeitstempel-Beweiswerterhaltung wird hier über den
unveränderten Rohbyte-Erhalt (ARC-01) plus das im Prüfnachweis
dokumentierte
CheckedAtsichergestellt, nicht über eine eigene TSA-Integration.
Pflichtprüfung 1: Testnachricht mit S/MIME-Signatur → Ergebnis "gültig" korrekt erkannt
TestVerify_ValidSMIMESignatureRecognizedAsValid: echte, real
signierte S/MIME-Testnachricht (selbstsigniertes RSA-2048-Zertifikat
per crypto/x509, go.mozilla.org/pkcs7 NewSignedData/AddSigner/
Finish) — Detect erkennt KindSMIME, Verify liefert
StatusValid mit befülltem SignerSubject. Archivierung +
Abruf des Prüfnachweises über echten storage.Service
(LocalDriver) geprüft — Rundtrip liefert identisches Ergebnis.
Ergebnis: BESTANDEN.
Pflichtprüfung 2: signierte Nachricht mit manipuliertem Inhalt → Ergebnis "ungültig" korrekt erkannt
TestVerify_TamperedContentDetectedAsInvalid: reale PKCS7-DER-Bytes
signiert, anschließend der signierte Klartext DIREKT in den finalen
DER-Bytes durch einen gleich langen, anderen Text ersetzt (ASN.1-
Längenpräfixe bleiben syntaktisch gültig, Inhalt weicht vom
signierten Digest ab — realistische Nachbildung nachträglicher
Manipulation). Verify liefert StatusInvalid mit erklärendem
Reason.
Ergebnis: BESTANDEN.
Pflichtprüfung 3: simulierter Zertifikatsablauf nach Archivierung → archivierter Prüfnachweis bleibt unverändert
TestVerify_ArchivedResultUnaffectedBySimulatedLaterCertificateExpiry:
Testzertifikat mit engem Gültigkeitsfenster um den
Archivierungszeitpunkt. Erste Prüfung + Archivierung ZUM
Archivierungszeitpunkt liefert StatusValid, wird als Sidecar
gespeichert. Eine SIMULIERTE, NICHT persistierte spätere Live-Prüfung
derselben Rohdaten mit einem now weit nach CertNotAfter liefert
korrekt StatusInvalid (abgelaufenes Gültigkeitsfenster). Der BEREITS
ARCHIVIERTE Prüfnachweis wird davon nicht berührt: LoadResult liefert
weiterhin StatusValid mit unverändertem CheckedAt — die spätere
Prüfung schreibt nie über einen bestehenden archivierten Nachweis.
Ergebnis: BESTANDEN.
Ergänzend geprüft (Akzeptanzkriterium 1, PGP/MIME-Erkennung ohne Verifikation)
TestDetect_PGPMIMEDetectedButNotCryptographicallyVerified: PGP/MIME-
Nachricht wird korrekt als KindPGP erkannt; Verify liefert
StatusUnverifiable mit erklärendem Reason statt eines stillen
Fallbacks oder Fehlers.
TestDetect_UnsignedMessageNotDetected: unsignierte Nachricht wird
korrekt NICHT erkannt, durchläuft keine Prüfung.
Akzeptanzkriterien
- Signierte Nachrichten (S/MIME, PGP/MIME) werden bei Archivierung
erkannt:
Detect, durch alle Detect-Tests belegt. - Signaturprüfung liefert einen von drei Ergebniszuständen
(gültig/ungültig/Prüfung nicht möglich) inkl. Zertifikatsdaten und
Prüfzeitpunkt, als Nachweis archiviert:
Verify+Result+SaveResult, durch Pflichtprüfung 1–3 belegt. - Prüfnachweis über die Detailansicht abrufbar, Original-Mail
unverändert:
LoadResultliest ein eigenständiges Sidecar-Objekt, rührt die archivierten RFC822-Rohbytes nicht an; durch Pflichtprüfung 1 und 3 (Rundtrip) belegt.
Build/Vet/Lint/Test — Gesamtmodul
gofmt -l internal/sigcheck → keine Ausgabe (sauber formatiert)
go build ./... → OK
go vet ./... → OK
golangci-lint run ./internal/sigcheck/... → 0 issues
go test ./internal/sigcheck/... -v -count=1 → alle 6 Tests bestanden
go test ./... -p 1 -count=1 (TEST_TENANT_DSN, TEST_MANTICORE_URL, TEST_S3_ENDPOINT/TEST_S3_ACCESS_KEY/TEST_S3_SECRET_KEY gesetzt) → alle Pakete ok, inkl. neuem internal/sigcheck
Ein Fehlschlag von internal/pop3
(TestProtolog_SessionFullyReconstructableByCorrelationID, erwartete
6 Log-Einträge, real 5 in dem konkreten Lauf) trat während des
Gesamtlaufs auf — bei isolierter Wiederholung (-count=3) dreimal in
Folge bestanden. Bereits bestehender, von ARC-10 unabhängiger,
zeitkritischer Flake im Protokoll-Logging-Test (internal/protolog/
internal/pop3, ING-08), keine Regression durch dieses Ticket.
Ergebnis
ARC-10 erfüllt alle Akzeptanzkriterien mit echten, ausgeführten Nachweisen — inklusive real erzeugter, real signierter S/MIME- Testnachrichten (selbstsigniertes Zertifikat, keine externe CA) und einer realen Manipulationserkennung auf PKCS7-DER-Byte-Ebene. Freigeschaltet: Beitrag zu QA-05 (zusammen mit ARC-07/09/INT-08, ARC-05 weiterhin extern blockiert durch RET-03).