# jviewer – AMI JViewer unter Linux zum Laufen bringen Startet den alten AMI JViewer (Java-Web-Start-KVM-Client, z.B. für Intel S2600WTTR mit AMI BMC) unter einem aktuellen Linux, obwohl weder ein passendes Java 8 noch eine funktionierende `javaws`/IcedTea-Web-Konfiguration vorinstalliert sind. Für einen kompletten Neubau ohne Java/IcedTea-Web-Altlasten siehe das parallel laufende Projekt `jviewer2` (moderner Nachbau des KVM-Protokolls, in Arbeit). ## Ausgangslage / Warum das nötig ist - BMC liefert eine alte `jviewer.jnlp` mit `` und ``-Einträgen, die von aktuellem Java-Web-Start/IcedTea-Web so nicht mehr akzeptiert werden - BMC-Zertifikat ist alt und abgelaufen (RSA 1024, SHA1, abgelaufen seit 2016); TLS1.2 funktioniert, TLS1.0 nicht - Auf aktuellen Distributionen gibt es kein passendes OpenJDK-8-Paket mehr - `JViewer.jar` ist unsigniert, das Manifest deklariert aber `Permissions: all-permissions` — moderne IcedTea-Web-Versionen erzwingen dafür einen restriktiven Sandbox-Modus, der weder Sockets zum KVM-Redirection-Port (7578) noch das Laden der nativen CD/Floppy-Wrapper- Bibliotheken erlaubt ## Was das Script macht `start-jviewer.sh` löst das automatisiert, ohne etwas am System zu verändern (alles bleibt im Projektordner): 1. Lädt bei Bedarf ein eigenes **Temurin-Java-8-JDK** herunter (nicht nur JRE — `jarsigner`/`keytool` werden für Schritt 4 gebraucht) nach `java8/`, unabhängig von einer eventuell vorhandenen Systeminstallation 2. Nutzt das im System installierte `javaws` (Paket `icedtea-netx`), erzwingt aber über `JAVA_HOME`/`PATH` das eigene Java 8 3. Baut eine komplett isolierte IcedTea-Web-Umgebung unter `runtime-home/` (eigenes `XDG_CONFIG_HOME`/`XDG_CACHE_HOME`, eigene `deployment.properties`) — die System-IcedTea-Web-Konfiguration bleibt unangetastet 4. Patcht die JNLP minimal (`patch_jviewer.py`): nur `` wird zu `` umbenannt (inkompatibel mit angeforderten `all-permissions`, unabhängig von Signierung); ``/`` und `` bleiben unverändert 5. Lässt `javaws` in einem ersten, absichtlich fehlschlagenden Lauf die Original-Jars von der BMC in den eigenen Cache laden 6. **Signiert die gecachten Jars selbst** mit einem einmalig erzeugten, selbstsignierten Zertifikat (`signing/jviewer.jks`) und trägt das Zertifikat automatisch in IcedTea-Webs Trusted-Certs-Store ein — dadurch bekommt die Anwendung reguläre `AllPermission` statt Sandbox, ohne dass ein Zertifikats-Dialog manuell bestätigt werden muss 7. Startet `javaws` ein zweites Mal mit `-Xoffline`, damit die gepatchten/ signierten Cache-Dateien verwendet werden, statt erneut unsignierte Originale von der BMC zu laden ## Voraussetzungen - Linux mit `bash`, `wget`, `unzip` - Paket `icedtea-netx` installiert (liefert `javaws`): ``` sudo apt install icedtea-netx ``` - Netzwerkzugriff zur BMC sowie zu `api.adoptium.net` (für den einmaligen Java-8-Download) ## Benutzung ``` ./start-jviewer.sh -c jviewer.jnlp ``` Das Script ist pfadunabhängig — es kann aus einem beliebigen Ordner heraus aufgerufen werden, solange `patch_jviewer.py` im selben Verzeichnis liegt. Der Pfad zur `.jnlp`-Datei kann relativ (zum Skript-Ordner) oder absolut angegeben werden. Alle heruntergeladenen/erzeugten Daten landen im Skript-Ordner: | Ordner/Datei | Inhalt | |---|---| | `java8/` | heruntergeladenes Temurin-JDK-8 | | `runtime-home/` | isolierte IcedTea-Web-Config und -Cache | | `signing/` | selbstsigniertes Schlüsselpaar (`jviewer.jks`) für die Jar-Signierung | | `fixed-.jnlp` | gepatchte JNLP, die tatsächlich gestartet wird | | `jviewer-debug.log` | vollständiges `javaws`-Log des letzten (zweiten) Laufs | | `jviewer-debug-pass1.log` | Log des ersten (Cache-Befüll-)Laufs | `java8/` und `signing/` bleiben zwischen Läufen erhalten (kein erneuter Download/keine neue Signatur nötig). `runtime-home/.cache` wird bei jedem Lauf frisch geleert, `runtime-home/.config` bleibt erhalten (falls doch einmal ein Zertifikats-Dialog manuell bestätigt werden muss, bleibt diese Entscheidung über Neustarts hinweg erhalten). ## Troubleshooting - **`javaws wurde nicht gefunden`**: `sudo apt install icedtea-netx` - **`FEHLER: JNLP wurde NICHT gepatcht (nativelib noch vorhanden)`**: prüfen, ob `patch_jviewer.py` im selben Ordner wie `start-jviewer.sh` liegt und ob die JNLP-Datei tatsächlich ``-Tags enthält (Struktur kann sich je nach BMC-Firmware leicht unterscheiden) - **`FEHLER: Nach Lauf 1 wurden keine Jars im Cache gefunden`**: BMC nicht erreichbar, oder TLS-Handshake schlägt fehl — `jviewer-debug-pass1.log` prüfen - **Immer noch `access denied`/`SocketPermission`-Fehler im 2. Lauf**: prüfen, ob im Log `verified as SIGNED_OK` und `App already has trusted publisher: true` steht. Falls nicht, kann es sein, dass die verwendete IcedTea-Web- Version einen anderen Pfad/Passwort für den Trusted-Certs-Store erwartet als `runtime-home/.config/icedtea-web/security/trusted.certs` / `changeit` — in diesem Fall erscheint ein GUI-Dialog, in dem einmalig "diesem Zertifikat immer vertrauen" bestätigt werden muss; das bleibt dank Punkt oben danach dauerhaft erhalten ## Bekannte Einschränkungen - Virtuelle Medien (CD/Floppy-Redirection über `com.ami.iusb.CDROMRedir`) wurden nicht gesondert getestet; der Kern-Anwendungsfall (Bildschirm/ Tastatur/Maus per KVM) funktioniert - Der zweite `javaws`-Lauf öffnet ein GUI-Fenster (Swing) — für den Einsatz ist also eine grafische Sitzung (lokal oder X11-Forwarding) nötig